Hörgeräte richtig einsetzen und herausnehmen: So geht’s!

Ob durch eine Verletzung des Gehörgangs oder altersbedingte Hörschwäche: Wer nicht mehr so gut hört wie früher, hat oft hohen Leidensdruck. Abhilfe schaffen Hörgeräte. Die können heutzutage so klein sein, dass sie optisch kaum noch auffallen. Das Einsetzen und Herausnehmen von Hörgeräten erfordert jedoch Feingefühl. Wir zeigen, wie es funktioniert.

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Hörgeräte richtig einzusetzen ist anfangs kompliziert, wird jedoch schnell zur Routine

Hörgeräte einsetzen und Schwerhörigkeit lindern

Die eigenen Hörgeräte einsetzen und wieder herausnehmen, gestaltet sich für viele Betroffene schwieriger als anfangs erwartet. So praktisch und optisch unauffällig moderne Hörhilfen sind, erfordert die Handhabung doch etwas Geschick. Mit ein wenig Übung werden Einsetzen und Herausnehmen der Geräte aber schon bald zur eingespielten Routine.

Sind die Hörgeräte erst einmal eingesetzt, ermöglichen sie auch Menschen mit teils schweren Hörschwächen ein gutes und klares Hören. Sitzen sie korrekt, drücken die Hörhilfen auch nicht und produzieren keine unangenehmen Störgeräusche.

Welche Arten von Hörgeräten gibt es?

Bevor Sie lernen, wie Sie schnell und einfach Ihre Hörgeräte einsetzen und herausnehmen können, ist es wichtig zu unterscheiden, mit welcher Art von Hörgerät Sie es zu tun haben: einem Hinter-dem-Ohr-Hörgerät (HdO), einem „Receiver-in-canal“-Hörgerät (RIC) oder einem Im-Ohr-Hörgerät (IdO).

 

Hinter-dem-Ohr-Hörgerät

Ein sogenanntes HdO-Hörgerät besteht aus drei Komponenten. Dabei handelt es sich um ein Gehäuse, das sich hinter dem Ohr befindet, einen Schallschlauch und einen Einsatz für das Ohr. Diese Art von Hörgerät ist zwar optisch etwas auffälliger, kann aber bei allen Graden von Schwerhörigkeit eingesetzt werden.

 

Receiver-in-canal-Hörgerät

Bei RIC-Hörgeräten handelt es sich um eine Unterform der HdO-Geräte. Der Unterschied besteht darin, dass der Empfänger im Ohr selbst sitzt und dem Trommelfell somit näher ist. Dabei verbindet ein sehr dünnes Kabel das Gehäuse hinter dem Ohr mit dem Lautsprecher im Ohr.

 

Im-Ohr-Hörgerät

IdO-Hörgeräte befinden sich vollständig innerhalb des Ohres, weisen also kein außenliegendes Gehäuse auf. Damit sind diese Geräte optisch besonders diskret. Leider bietet diese Art von Hörhilfen derzeit noch nicht die gleiche hörverstärkende Leistung wie HdO-Hörgeräte. Darüber hinaus sind sie anfälliger für Verschmutzungen, müssen daher regelmäßig gereinigt werden.

 

Hörgerät einsetzen: Die richtige Vorbereitung

Egal ob HdO- oder IdO-Hörgerät – vor dem Einsetzen sind unbedingt einige Dinge zu beachten. Dazu zählen:

  • Hygiene: Stellen Sie sicher, dass Hände und Ohren sauber und trocken sind.
  • Verlust vorbeugen: Moderne Hörhilfen sind so klein, dass sie schnell aus der Hand rutschen und verloren gehen können. Um dieses Risiko zu verringern, empfiehlt sich, beim Einsetzen eine einfarbige Unterlage zu benutzen. Vermeiden Sie vor allem das Einsetzen und Herausnehmen über einem offenen Wasch- oder Spülbeckenabfluss.
  • Links und rechts unterscheiden: Tragen Sie auf beiden Seiten Hörgeräte, ist es ratsam, mit dem Einsetzen immer am gleichen Ohr zu starten. Da das linke Gerät in der Regel anders programmiert wurde als das rechte, ist es wichtig, die beiden Geräte nicht zu vertauschen. Zur besseren Unterscheidung haben die meisten Hörhilfen farbige Markierungen an Gehäuse oder Hörer.
  • Aller Anfang ist schwer: Wer anfänglich noch unsicher beim Einsetzen der Hörgeräte ist, sollte sich die korrekte Benutzung vom Akustiker oder HNO-Arzt zeigen lassen. Auch ein Spiegel kann das Einsetzen vereinfachen. Mit etwas Übung wird es für viele schnell zur Routine, die auch „blind“ durchgeführt werden kann.

 

HdO-Hörgerät einsetzen

Ist Ihre Hörhilfe ein HdO-Gerät mit einem Ohrpassstück? Dann nehmen Sie dessen hintere Seite zuerst behutsam zwischen Daumen und Zeigefinger. Dann positionieren Sie das Gerät vorsichtig in Ihrem Ohr.

Der Teil, der in den Gehörgang hineinragt, wird anschließend in die korrekte Position gedrückt. Den Teil, der in die obere Ecke des Ohres gehört, müssen Sie dann nur noch zurechtrücken.

Abschließend ziehen Sie Ihr Ohrläppchen leicht nach unten, während Sie das Ohrpassstück mit der anderen Hand fest ins Ohr drücken. Schon ist das Hörgerät korrekt eingesetzt.

 

RIC-Hörgerät einsetzen

Um diese Unterart eines HdO-Geräts richtig einzusetzen, nehmen Sie das Gerät zuerst zwischen Daumen und Zeigefinger und setzen es hinter Ihr Ohr. Den dünnen Schallschlauch führen Sie mit der anderen Hand über das Ohr nach vorn.

Drücken Sie den Hörer am Ende des Schlauches jetzt vorsichtig in Ihren Ohrkanal. Nun müssen Sie nur noch die Plastik-Abstützung des Geräts so in der Ohrmuschel platzieren, dass der Hörer sicher im Ohr sitzt.

 

Im-Ohr-Hörgerät einsetzen

Das Einsetzen der kleinsten und optisch unauffälligsten Hörhilfen-Variante ist denkbar simpel. Auch hier nehmen Sie das Hörgerät zuerst zwischen Daumen und Zeigefinger.

Positionieren Sie die schmalere Seite des Geräts dann in Ihrem Ohrkanal. Ziehen Sie nun vorsichtig an Ihrem Ohrläppchen, und drücken Sie das Gerät in die korrekte Position.

 

HdO-Hörgerät herausnehmen

Um ein HdO-Hörgerät sicher und einfach wieder aus dem Ohr zu entfernen, holen Sie das hinter dem Ohr sitzende Gehäuse nach vorne.

Dann greifen Sie, je nach Bauart des Geräts, das Ohrpassstück oder den Hörer mit Daumen und Zeigefinger. Nun müssen Sie es nur noch vorsichtig aus dem Ohr ziehen.

 

Im-Ohr-Hörgerät herausnehmen

Hier unterscheiden sich solche IdO-Geräte mit Ausziehfaden von Modellen ohne dieses hilfreiche Extra. Ist ein Ausziehfaden vorhanden, nehmen Sie diesen einfach zwischen Daumen und Zeigefinger und ziehen das Hörgerät behutsam nach oben hin aus dem Ohr.

Hat die Hörhilfe keinen Ausziehfaden, legen Sie Ihren Daumen hinter Ihr Ohrläppchen. Nun schieben Sie das Gerät vorsichtig aus dem Ohrkanal, indem Sie das Ohr mit dem Daumen nach oben drücken. Sobald das Hörgerät ein wenig aus dem Gehörgang hervorsteht, können Sie es mit der anderen Hand greifen und herausnehmen.

 

Welche Probleme können beim Tragen auftreten?

Besonders Hörgeräte-Neulinge, aber auch Betroffene, die ihre Hörhilfe schon länger tragen, können bei der täglichen Benutzung auf Probleme stoßen. Unter anderem:

  • Juckreiz im Gehörgang: In etwa 70 Prozent der Fälle handelt es sich hierbei um ein Anfängerproblem. Wer noch nicht lange ein Hörgerät benutzt, muss sich in der Regel erst an den Fremdkörper im Ohr gewöhnen. Das kann in der Anpassungsphase zu Ohrenjucken beim Tragen führen.
  • Druckgeschwüre: Die Haut im Bereich des Gehörgangs ist dünn und voller Nervenzellen. Daher können sich dort leicht schmerzhafte Druckgeschwüre bilden. Hier sollte täglich kontrolliert und im Zweifel das Gerät angepasst werden.
  • Absonderungen im Ohr: Durch das Tragen von Hörgeräten bildet sich bei vielen Betroffenen vermehrt Ohrenschmalz. Das kann sich verhärten und den Gehörgang verstopfen oder die Hörhilfe beschädigen. Sollten die Geräte bei der Benutzung pfeifen oder zu stark verschmutzt sein, ist eine Ohrreinigung beim Arzt empfehlenswert.
  • Unangenehme Lautstärke: Neben den erwünschten Tönen verstärken Hörgeräte auch die unerwünschten, wie etwa Baulärm oder die Geräusche des Staubsaugers. Um hier die Balance zu finden, muss das Hörgerät beim Hörakustiker angepasst werden.
  • Beeinträchtigte Passform: Durch Gewichtszunahme oder -verlust kann die Passform des Hörgeräts beeinflusst werden. In solchen Fällen muss das Ohrpassstück des Geräts angepasst werden.