Pflegende Angehörige – ich kann nicht mehr!

Pflege ist anstrengend und bringt pflegende Angehörige häufig an ihre Belastungsgrenze oder gar in die Überforderung. Bevor die Probleme zu groß werden und möglicherweise sogar die körperliche oder seelische Gesundheit leidet, gibt es viele Entlastungsmöglichkeiten für Pflegende.

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Der Pflegealltag kann überfordern. Regelmäßige Auszeiten, Achtsamkeit und Entspannung sind wichtig

Wenn Pflege überfordert

Wenn pflegende Angehörige signalisieren „Ich kann nicht mehr“, sollten die Alarmglocken im Umfeld klingeln. Nun ist schnelle Hilfe gefragt. Was viele Menschen, die neu in eine Pflegesituation kommen, nicht wissen: Die Pflegekasse unterstützt Pflegebedürftige und deren Angehörige mit einer Vielzahl von Angeboten. Dazu gehören unter anderem Pflegesachleistungen und Verhinderungspflege.

Je nach Pflegegrad werden unterschiedliche Kosten übernommen. Die Leistungen können auch kombiniert werden. Die bundesweit kostenfreien Pflegeberatungen für pflegende Angehörige beantworten Fragen und unterstützen Angehörige dabei, sich im Pflege-Dschungel zurechtzufinden.

Pflegende Angehörige: Psychische Belastung oft ein Thema

Einen Menschen zu pflegen kann aufgrund von Tätigkeiten wie Heben, Lagern und Stützen körperlich sehr anstrengend sein. Einer Studie aus dem Jahr 2018 zufolge berichteten mehr als vier von zehn pflegenden Angehörigen von Rücken- oder Gelenkschmerzen. Gut jeder fünfte Angehörige gab an, dass die Pflege meistens oder immer die körperliche Gesundheit beeinträchtigt.

Häufig kommt es durch die Pflege auch zu einer psychischen Belastung. Dazu gehören Scham, Trauer, Stress, soziale Isolation und Hilflosigkeit. Bei mehr als der Hälfte der befragten Pflegenden zeigten sich in der Selbsteinschätzung Anzeichen einer Depression.

Entlastung durch Verhinderungspflege

Damit Angehörige durch die häusliche Pflege nicht überfordert werden, sind regelmäßige Auszeiten wichtig. Sie bieten Raum, damit Pflegende sich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern können. Genug Zeit für den Friseur- oder Arztbesuch, Entspannung bei einem Sportkurs oder Spaziergang oder einfach mal in Ruhe einkaufen – diese Möglichkeiten bietet die Verhinderungspflege. Sie kann bei Pflegegrad 2–5 in Anspruch genommen werden. Dabei können Bekannte, Nachbarn oder Verwandte, aber auch ein ambulanter Pflegedienst die häusliche Pflege übernehmen. Das sorgt für eine wichtige Entlastung im Pflegealltag.

Entlastung durch Kurzzeitpflege

Wenn pflegende Angehörige nicht mehr können, sollten sie sich auch einmal einen Urlaub gönnen und die Situation der Pflege zu Hause für eine gewisse Zeit verlassen. Nicht immer kann das Umfeld diesen Zeitraum durch die Verhinderungspflege abdecken. Hier bietet sich eine Entlastung durch die stationäre Kurzzeitpflege an. Dabei wird die pflegebedürftige Person für mehrere Tage oder Wochen in einem Pflegeheim untergebracht und betreut. Die Pflegekasse zahlt für die Kurzzeitpflege bis zu 1.774 Euro für maximal acht Wochen im Kalenderjahr.

Hilfe bei Überforderung – Austausch mit anderen

Andere pflegende Angehörige verstehen aus eigener Erfahrung gut, wie es sich anfühlt, wenn man nicht mehr kann. Deshalb können Gespräche mit ihnen in Selbsthilfe- oder Angehörigen-Gruppen Entlastung und Unterstützung bei Überforderung bringen.

Eine Übersicht bietet z. B. wir pflegen!, Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V. Von deren Website lässt sich auch die App „in.kontakt“ herunterladen, über die sich pflegende Angehörige austauschen und vernetzen können.

Ein bundesweites Netzwerk von engagierten, fachlich begleiteten Ehrenamtlichen zur Unterstützung von Pflegenden findet sich unter www.pflegebegleiter.de.

Psychologische Beratung für pflegende Angehörige

Wenn pflegende Angehörige tiefergehende Hilfe bei Überlastung durch die häusliche Pflege benötigen, können sie eine kostenfreie und anonyme psychologische Online-Beratung in Anspruch nehmen. Diese wird auf der Internetplattform pflegen-und-leben.de von speziell geschulten Psychologen angeboten. Einzige Voraussetzung: Die Pflegenden müssen gesetzlich versichert sein.

Körperliche Beschwerden bei der häuslichen Pflege vorbeugen

Wenn es darum geht, den eigenen Körper vor Schaden durch Pflegeaufgaben zu schützen, können drei Dinge helfen:

Wissen und Fertigkeiten

Viele pflegende Angehörige stehen vom einen auf den anderen Tag vor der Situation, einen Menschen pflegen zu müssen. Woher sollten sie wissen, wie man eine Person am besten vom Rollstuhl ins Bett oder ins Auto hebt? Vielleicht gelingt es eine Zeit lang intuitiv ganz zufriedenstellend. Doch wenn man bestimmte Handgriffe und Hebetechniken nicht kennt, riskiert man auf Dauer körperliche Probleme, beispielsweise Schmerzen oder Rückenprobleme.

Fragen Sie bei Ihrer gesetzlichen oder privaten Kranken- oder Pflegeversicherung nach Schulungen oder Pflegekursen zu dem Thema, das für Sie wichtig ist.

Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Es gibt einige Geräte, die das Heben, Drehen oder Stützen von Pflegebedürftigen sehr gut erleichtern können. Dazu zählen zum Beispiel eine Drehscheibe, eine Positionswechselhilfe, eine Gleitmatte oder ein Rutschbrett. Zudem gibt es Personenlifter, die das Umlagern und Heben übernehmen können. Weitere Geräte, die ganz praktisch unterstützen können, sind beispielsweise ein Rollator oder spezielles Besteck. Wichtig ist, dass Sie sich mit der pflegebedürftigen Person vorab über die Verwendung der Hilfsmittel abstimmen.

Körperliche Unterstützung

Vielleicht können Sie Verwandte oder Bekannte bei den körperlich anstrengenden Aufgaben häufiger miteinbeziehen, beispielsweise beim Heben. Außerdem sind Pflegekurse hilfreich und sinnvoll: Hier erlernen Sie die passenden Fertigkeiten und wie technische Pflegehilfsmittel richtig angewandt werden.

Erschöpft durch die Pflege? Achtsamkeitsmeditation hilft

Konflikte mit dem Pflegebedürftigen oder körperliche Erschöpfung führen bei Pflegenden häufig zu Überforderung durch die häusliche Pflege. So können pflegende Angehörige schnell mal zu Opfern werden. Wichtig: Gönnen Sie sich in einer überfordernden Situation direkt eine Pause! Hierzu hilft es, aus dem Raum zu gehen ­– vielleicht sogar in den Garten – und mehrmals tief durchzuatmen.

Eine kurze Achtsamkeitsmeditation kann dabei unterstützen, Abstand zu gewinnen. Viele Krankenkassen bezuschussen Entspannungs- und Meditations-Apps (z.B. 7mind oder Headspace).

Pause von der häuslichen Pflege: Kurze Auszeiten nehmen

Besonders wichtig gegen Überforderung in der Pflege zu Hause sind regelmäßige geplante Pausen. Sie gehören in den Terminkalender einer jeden Pflegeperson und sollten auf jeden Fall wahrgenommen werden! Nehmen Sie sich dafür etwas vor, was Ihnen besonders guttut. Sei es ein Kinobesuch, Kaffeetrinken mit einer guten Freundin oder einfach mal die Füße hochlegen und ein gutes Buch lesen.

Stellen Sie sicher, dass Sie hierbei ungestört von der Pflegesituation sind, damit Sie richtig abschalten können. Haben Sie eine Freizeitbeschäftigung lange vernachlässigt? Nehmen Sie sie wieder auf. Oder überlegen Sie sich, welches Hobby Sie schon immer einmal ausprobieren wollten und machen Sie den ersten Schritt.

Bei all dem gilt: Je entspannter und erholter Sie sind, desto besser läuft auch die häusliche Pflege. Davon profitiert Ihr pflegebedürftiger Angehöriger genauso wie Sie selbst. Und der Satz „Ich kann nicht mehr“ gehört dann ein für alle Mal der Vergangenheit an.

Pflegehilfsmittelboxen erleichtern den Pflegealltag

Auch curablu kann einen kleinen Beitrag bei der Entlastung der pflegenden Angehörigen leisten. Indem wir Ihnen den Weg zur Apotheke ersparen und Sie bei der Beantragung der nötigen Pflegehilfsmittel unterstützen. Hierfür können Sie bei uns einfach die monatliche kostenlose Zusendung einer Pflegemittelbox beantragen – Wir übernehmen den ganzen Rest für Sie!